Dachgärten

By | September 29, 2017

Dachgärten

Darunter versteht man allgemein bepflanzte Flächen ohne Erdanschluß. Diese oft kleinen Grünflächen bringen einen wichtigen Ausgleich für verlorengegangene Vegetationsflächen und sollten vom Gesetzgeber auf allen Flachdächern vorgeschrieben werden. Nur durch bepflanzte Dächer können die dichtbesiedelten Städte vor einem wüstenartigen Klima bewahrt werden. Grüne Dächer haben nicht nur einen wichtigen Erholungswert, sondern sind auch in der Lage, Niederschläge zu speichern und das Wasser langsamer an die Kanalisation abzugeben als sterile Kiesdächer. Auch wird die Dachoberfläche lange nicht so stark erhitzt, wenn sie begrünt ist. Schädliche Temperaturschwankungen werden vermieden. Durch Verdunstung und Taubildung wird das Klima erheblich verbessert und damit das Stadtklima erträglicher.

Am einfachsten und preiswertesten wird die Anlage, wenn die Fachleute des Hochbaues und der Grünplanung von Anfang an Zusammenarbeiten. Diese Entwicklungen führten in den letzten Jahren zur Konstruktion von verschiedenen Dachgartensystemen.

Die meisten Flachdächer werden mit Bahnen auf Bitumenbasis abgedichtet. Sie sollten das Bauwerk gegen Wärmeverluste und Oberflächenwasser schützen. Die aufgebrachte Kiesschicht verhindert eine zu starke Erwärmung des Flachdaches. Möchte man nun ein herkömmliches Dach mit einer einfachen Begrünung versehen, so genügt dieser Aufbau in den meisten Fällen nicht, denn die Oberfläche muß gegen das Eindringen von Pflanzenwurzeln geschützt sein, ln verschiedenen Versuchen wurde bewiesen, daß gelegentlich Wurzeln in Bitumenbeläge eindringen konnten. Es ist daher notwendig, zuerst auf das gereinigte Dach eine 0,3 mm starke Polyäthylenfolie aufzubringen, um schädliche Einflüsse des Bitumens auf die eigentliche Wurzelschutzfolie zu verhindern. Diese Spezialfolie (z.B. Lucobit oder Trocal) schützt nun das Dach vor Beschädigungen, sie ist sorgfältig mit dem Untergrund zu verkleben. An der tiefsten Stelle des Daches muß ein Ablauf vorgesehen sein, um Staunässe zu verhindern.

Hei einer einfachen Begrünung benötigt man nun anschließend nur noch eine flächig aufgebrachte Kies- oder Blähtonschicht in ca. 4-5 cm Stärke. Diese wird dann mit einem wasserdurchlässigen Dränvlies (Lutraflor oder Tera-Tel) abgedeckt. Dieses verhindert, daß Humusstoffe in die Dränage gelangen und ihre Funktion beeinträchtigen. Jetzt kann das eigentliche Substrat aufgetragen werden. Gut bewährt hat sich eine Mischung aus 4 Teilen IJimskies, 1 Teil Torf, 1 Teil Sand und 1 Teil Ton. Bimskies kann auch durch Kalk- oder Vulkantuff ersetzt werden. Dieses Substrat wird nun in einer Stärke von 5-8 cm aufgebracht.

Um den flächenhaften Eindruck eines Daches aufzulockern, kann das Substrat modelliert werden. Einzelne Steingruppen oder interessant geformte Baumwurzeln können dem Gesamtbild einen besonderen Reiz geben.

Ist man mit der Grundkonzeption zufrieden, kann die Bepflanzung erfolgen. Bei dieser Substratstärke eignen sich vor allem winterharte Sukkulenten, z. B. niedere Fetthennen (Sedum) und Dachwurz (Sem-pervivum und Jovibarba), die man in vielen Formen erhalten kann.
Dazu passen graulaubige Stauden (Antennaria, Veronica incana usw.) und graublaue Grasarten (Festuca). Bei einer höheren Substratauflage können auch eine Reihe von niederen Gehölzen und eine Vielzahl von trockenresistenten Stauden Verwendung finden. Eine Bewässerung ist bei einer solch einfachen Konstruktion nicht notwendig.

Eine Reihe von Firmen hat in den letzten Jahren die Dachgartentechnik zur Perfektion entwickelt. Relativ einfach ist das System der Firma Brecht in Ditzingen. Mit Substrat gefüllte Styroporkästen (100×50 und 50×25 cm groß und 19 oder 38 cm hoch) werden aufgestellt, auch eine Stapelung ist möglich. Um Beschädigungen der Pflanzbehälter zu vermeiden, werden diese mit Hartholz, Aluminium oder Rauhputz verkleidet. Ein spezielles Kanalsystem in Verbindung mit einer Tropfleitung erlaubt die Bewässerung der Pflanzen. Der Vorteil dieses Systems liegt in der geringen Dachbelastung von 150-180 kg/m2 und der problemlosen Anlage.

Eine weitere Möglichkeit bietet das Gabau-Pflanzkissen. Eine Rechteckform der Größe 80 X 40 X 20 cm aus Glasfaserpolyester wird mit Erdsubstrat gefüllt und schon in der Gärtnerei bepflanzt. Reizvolle Lösungen sind mit diesem Verfahren für kleinere Dachgärten möglich.

In der Schweiz wurde vor Jahren das Optima-System entwickelt, das sich in der Zwischenzeit viele Freunde erworben hat. Es besteht aus einem kompletten Bausatz aus Eternit-Randelementen in verschiedener Höhe, hinzu kommen Be-und Entwässerungseinrichtungen, spezielle Dränmaterialien und eine starke Wurzelschutzfolie, die als Wanne verarbeitet wird. Für die Be- und Entwässerung wird ein Kontrollschacht mit Schwimmer montiert, so daß immer ein gleichmäßiger Wasserstand gewährleistet ist. Der Wasserstand muß so eingestellt werden, daß nur die Filterschicht aus Blähton (Hydroperl) unter Wasser steht. Diese Schicht wird wiederum mit einer Schaumstoffmatte abgedeckt und darauf das spezielle Optima-Substrat aufgefüllt (10-25 cm stark, je nach Randelement). Mit diesem System ist man in der Lage, auch weniger trockenresistente Pflanzen zu verwenden, da die Bewässerung ja gesichert ist. Das Floratherm-System der Fa. ZinCo in Nürtingen funktioniert ebenfalls nach dem Anstauverfahren. Auch hier werden besondere Elemente für Randbefestigung und Unterbau verwendet. Die Substrathöhen liegen zwischen 5 und 25 cm. Mit Hilfe von Dochten werden die Pflanzen mit Wasser versorgt.

Es haben sich eine Reihe von Lösungen für die Dachbegrünung bewährt. Die Mehrkosten halten sich in Grenzen, wenn man bei der Hochbauplanung an diese Dinge denkt.

Noch eine wirtschaftliche Möglichkeit, Dächer zu begrünen, sei erwähnt:
Auf das vorhandene Kiesdach streut man einfach Rosetten von Dachwurzarten (ideal sind die verschiedenen Jovibarba-Arten) und Triebe von Mauerpfeffer aus (Sedum acre und ähnliche Formen). Gibt man noch einige Samenkörner von Festuca oder Koeleria dazu, hat man in wenigen Jahren ein begrüntes Dach ohne jede Pflege.

Möchte man doch mehr für die Begrünung tun, so läßt sich auch noch folgende Möglichkeit denken: Auf die Dachhaut erfolgt die Aufbringung einer 6-8 cm starken Dränplatte aus Styropor. Als Begrenzung können Eisenbahnschwellen dienen. Im Abstand von 80-100 cm könnten bei großen Flächen nun Bewässerungsrohre ausgelegt werden (z. B. Aquadrop). Dann wird das Dränvlies ausgebreitet und das Substrat aufgebracht. Dieses kann je zur Hälfte aus humoser Gartenerde und aus Hygropor bestehen. Hygropor 73 ist ein Gemisch aus Hygromull, das der Wasserspeicherung dient, und Styromull, das für die Luftzufuhr und Bodenlockerung sorgt.

Durch die entsprechende Bepflanzung mit Gewächsen, die diesen Standorten angepaßt sind, stellen sich auch eine Menge Insekten ein. Die Mehrkosten solcher umweltverbessernden Anlagen betragen in der Regel nur einen Bruchteil der Hauskosten. Wir sollten also nicht darauf verzichten.

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