Heinz-Galinski-Schule Berlin, Deutschland

Heinz-Galinski-Schule Berlin, Deutschland

Architekt Zvi Hecker. Berlin /Tel Aviv

Kapazität 800 Schüler von 6-12 Jahren

Bebaute Fläche 4.898 m2

Klassenraumgröße  70 m3

Parkplätze 0

Baukosten 23.67 Millionen EUR

Fertigstellung 2000

Gruppenstruktur Vierzügige Schule

Private konfessioneile Grundschule mit einer markanten zersprengten Form.

Die Heinz-Galinski-Schule ist die erste jüdische Schule, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland gebaut wurde. Sie entstand nicht allein aufgrund einer praktischen Notwendigkeit, sondern auch als Akt von hoher symbolischer Bedeutung für Berlin und das Wiederaufleben der jüdischen Gemeinde. In Charlottenburg, am nördlichen Rand des Grunewalds, entwarf Zvi Hecker eine expressive Architektur, die die Neubelebung der Kraft und der kreativen Energie der jüdischen Gemeinde in Berlin versinnbildlicht. Die explosive Dynamik im Grundriss gleicht einer räumlichen Kollision von Winkeln und wirbelnden Kanten, offener und geschlossener Flächen. Es scheint unmöglich, das Gebäude in einer einzigen Fotografie zu erfassen, da es allenfalls als eine Abfolge einzelner Momente lesbar ist, die zugleich Teii eines Ganzen sind. Hierzu schreibt der Architekt: „Die Sonnenblume ist eine Metapher und ein Symbol für organisches Wachstum. Das Sonnenlicht bestimmt ihre Form, ist ihre Lebensquelle. Bildung und Wissen sind das Licht, das den kindlichen Geist erleuchtet. Unsere eigene Natur hängt von der Qualität der Erziehung ab, die wir genossen haben.“ Welches Symbol man auch herauslesen mag, das Gebäude ist Ausdruck von Optimismus und einer viel versprechenden Zukunft für die Schüler, im Gegensatz zu vielen anderen Schulen galt die rein funktionalistische Maxime einer Erziehung als soziale Disziplin hier nicht. Vielmehr wird nahe gelegt, Erziehung auch als Prozess der Selbstfindung zu betrachten und als Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe auf der Basis eines gemeinsamen Glaubens. In den labyrinthischen Gängen zwischen den Räumen mag sogar eine gewisse Anarchie anklingen. Der
Architekt beschreibt das Konzept als „ein großes Familienhaus“ mit zahlreichen Orten, in denen sich die Schüler verstecken und einen eigenen Sinn für das Geheimnisvolle entwickeln können. Dies ist kein Haus für gelegentliche Besucher, hier wird die komplexe Architektur der Stadt mit ihren Gehwegen, Passagen und Sackgassen nachempfunden. Es muss großartig sein, hier zur Schule zu gehen. Das Raumprogramm sah eine Mischung aus 40 großen und kleinen Klassenräumen vor, doch die Lehrplangewichtung verlangte ebenfalls Werkstätten und Ateliers für kreative Unterrichtsfächer. Es gibt eine Mehrzweckhalle mit 500 Plätzen, die als Synagoge genutzt werden kann, eine Mensa und, in Einklang mit der jüdischen Tradition, zwei Küchen für Fleisch und Milch. Alle Räume passen sich der Gebäudeform an und behaupten sich gleichzeitig als
funktionale Einheiten. Die Klassenräume sind miteinander verbunden und verfügen über eine eigene Terrasse, so-dass die Schüler den Blick auf den Wald genießen können. Die gewundenen Korridore sind die einzigen Bereiche, die nicht gradlinig verlaufen müssen. Die Architektur der Schule ist einmalig, eine Ikone in einem besonderen Kontext, teils Gedenkstätte, teils futuristische Skulptur. Sie ist ein Mahnmal für Berlins verlorene Kinder, deren Zukunft sie jedoch vor dem Hintergrund der neuen jüdischen Gemeinde zelebriert. Die geschwungenen zersprengten Formen machen den Schulbesuch zu einem Vergnügen und Erziehung zu einem Spiel. Vielleicht sollten Schulplaner häufiger die Freiheit haben, Einrichtungen dieser Art zu entwerfen, damit nicht überall die gleichen „Lernmaschinen“ gebaut werden.

 

Joint Denominational School Sheffield, Großbritannien

Joint Denominational School – Sheffield, Großbritannien

Architekt    D5DHA, London

Kapazität    315 Kinder von 3-11    Jahren

Bebaute Fläche    1.800 m2

Klassenraumgröße     56 m2

Parkplätze    19

Baukosten    3,5 Millionen CBP

Fertigstellung    2006

Gruppenstruktur    Altersbezogene 1 ½-zügige Schule

Der gezielte Einsatz von natürlichem Tageslicht vermittelt die spirituelle Botschaft der Schule.

Die im September 2006 eröffnete Schule entstand als direkte Antwort auf den Wunsch des kirchlichen Auftraggebers nach einem Schulgebäude, das die Möglichkeiten der spirituellen Dimension in der Erziehung ausschöpfen sollte. Die Architekten wurden von der Anglikanischen Kirche und den örtlichen katholischen Diözesen beauftragt, zwei bestehende Konfessionsschulen zusammenzufassen, die St. John’s Church of England und die St. Oswald’s Catholic School – eine ungewöhnliche Fusion zwischen zwei christlichen Glaubensgemeinschaften.

Es sollte eine Umgebung entstehen, die eine religiöse Dimension vermittelt ohne auf offenkundige konfessionelle Symbole zurückzugreifen. Die Planer haben sich auf die Hervorhebung dieses spirituellen Themas mittels behutsam eingesetzten Tageslichts in außergewöhnlichen skulpturalen Räumen konzentriert. Die Bauarbeiten sollten durchgeführt werden, ohne den laufenden Schulbe-trieb zu unterbrechen. Folglich war der einzig verfügbare Bauplatz eine steile Böschung, die das Gebäude überwindet. Die Cebäudeform nutzt den natürlichen Höhenunterschied zwischen beiden Geschossen durch eine geschickte Anordnung von Außenterrassen und Landschaftsabstufungen. Dadurch werden Klassenräume und Spieibereiche auf beiden Ebenen des zweigeschossigen Gebäudes von außen zugänglich: Zur Kindertagesstätte gelangt man im Obergeschoss; im unteren Geschoss verfügen die Klassenräume der ersten Jahrgangsstufen jeweils über einen direkten Zugang, während die älteren Schüler bis zum elften Lebensjahr einen gemeinsamen Eingang nutzen. So werden ältere und jüngere Schüler
getrennt, ohne die Schule in zwei Gebäude zu zerteilen. Das abschüssige Gelände erzeugt darüber hinaus zwei Geometrien in der Grundrissform: Die Klassenräume im Südflügel sind der Länge nach aufgereiht, während öffentlichere Bereiche wie Versammlungsräume, Küchen und Büros entlang einer zentrale Achse im Nordflügel liegen. Diese Grundstücksvorgabe wurde außerdem genutzt, um eine attraktive Verkehrsachse zu bilden, in der auch kleine Gruppenräume Platz finden. Eines der wesentlichen architektonischen Merkmale sind Lüftungskamine, die durch Schornsteineffekt Luft aus dem Gebäude saugen. Sie bewirken eine Anhebung der Deckenhöhen und schaffen abwechslungsreiche Raumatmosphären, indem sie im Bereich der Lüftungsöffnungen Licht von oben einführen. So entsteht im Herzen des Gebäudes eine ganz
eigene Raumdynamik. Diese wird darüber hinaus durch die Brücke im Obergeschoss akzentuiert, die den Leer-raum über dem Andachtsraum offenbart, den Eingang markiert und sich eindrucksvoll zum Himmel emporhebt.

Die Architekten haben eng mit dem Auftraggeber zusammengearbeitet, um für das gesamte Ensemble eine Atmosphäre der Ruhe zu entwickeln, wobei insbesondere auf die akustischen Eigenschaften der Oberflächen geachtet wurde, um den widerhallenden Lärm der Kinder weitgehend zu dämpfen. Gleichzeitig bietet die in der gesamten Schule herausgearbeitete feinfühlige Lichtgestaltung eine erfrischende Alternative zur modernistischen Architekursprache manch zeitgemäßer Schule.

 

Grundschule und Schülerladen Westcliff Westcliff on Sea, Großbritannien

Grundschule und Schülerladen Westcliff – Westcliff on Sea, Großbritannien

Architekt Cottreli and Vermeiden. London

Kapazität 50 Schüler von 5-11 Jahren (insg. 700)

Bebaute Fliehe 900 m2 (700 m2 Erdgeschoss)

Klassenraumgröße Offener Grundriss auf einem Geschoss

Parkplätze 5

Baukosten 170.000 GBP

Fertigstellung 2002

Gruppenstruktur Altersgemischte Gruppen

Forschungsprojekt zur Entwicklung von nachhaltigen und wiederverwertbaren Gebäuden mit einer voraussichtlichen Lebensdauer von 20 Jahren

Seit bereits 15 Jahren befassten sich die Architekten mit einer Reihe von Gebäuden für dieselbe Schule. Der jüngste Bau wurde in Kooperation mit zwei Regierungsbehörden zur Erforschung neuer Techniken in der Bauindustrie entwickelt. Die Planer wollten Karton als eines der gängigsten Abfallprodukte auf seine Nachhaltigkeit hin untersuchen. Insgesamt sollte zu 90% wiederverwertetes und wiederverwertbares Material verwendet werden. Die eigentliche Herausforderung bestand jedoch darin, ein anregendes Spiel-und Lernfeld und eine ansprechende Konstruktion zu schaffen, die die Materialeigenschaften dieses neuartigen Baustoffs nutzt und dabei alle erforderlichen Bauvorschriften einhält. Das fertiggesteüte Gebäude besteht zu hohen Anteilen aus Karton. Wände und Dach sind aus tragenden und isolierenden Sandwich-paneeien aus Karton mit Holzkanten gefertigt. Für Trennwände und zusätzliche Lastabtragung wurden Kartonrohre verwendet. Darüber hinaus kommen viele wiederverwertete Baumaterialien zum Einsatz. Der offene Gebäudegrundriss ist flexibel und ermöglicht im Hauptraum eine Vielzahl von Nutzungen. Wenn der oberirdische Teil des Gebäudes einmal ausgedient hat, können die Fundamente an gleicher Steile für ein neues „konventionelles“ Gebäude genutzt und die Kartonpaneele wiederverwertet werden.

Die Gebäudehülle hat gute thermische und akustische Eigenschaften und erweist sich als angenehme Umgebung für Kinder und Erwachsene. Aufgrund von vielen
Lufteinschlüssen haben die Kartonpaneele eine hohe Wärmedämmung; Messungen haben ergeben, dass Wände und Decken einen U-Wert von 0,3 W/m2K erreichen. Durch die Vorfertigung der Paneele konnte das Abfallvolumen reduziert und das Restmaterial in der Fabrik wiederverwertet werden. Für den Bauherrn bedeutete dies einen sauberen und ordentlichen Ablauf der Bauarbeiten.

Zunächst untersuchten die Planer mithilfe der japanischen Origami-Faitkunst die statischen Möglichkeiten des Kartons. Während des Entwurfsprozesses wurde die spezifische Materialstärke ausgeschöpft. Die Gebäudeform verkörpert als Ganzes diese Entwurfsidee einer scharfkantigen weißen Struktur, deren Vorbild
ein zu einer festen Form gefaltetes Blatt Papier ist. Die einfache Form und seine anschauliche Konstruktion machen das Gebäude für Kinder besonders faszinierend. Eine Siebdruckgrafik an der Vorderfassade erhöht diese Faszination. Sie zeigt schrittweise, wie ein Origami-Kranich gefaltet wird. Die Schüler wurden von Anfang an eng in das Projekt eingebunden, sammelten Altkarton und halfen bei der Entwicklung des Entwurfs. Ihr Verständnis von Eigentum und Stolz auf ihre schulische Umgebung wurde dadurch gefördert.

 

Hachoresh School Zichron Yaacov, Israel

Hachoresh School Zichron Yaacov, Israel

Architekt    Shimon und Gideon Powsner, Tel Aviv

Kapazität    800 Schüler von 5-12 Jahren

Bebaute Fläche    3.000 m2

Klassenraumgröße     50 m2 (für 36 Schüler)

Parkplätze    30

Baukosten    8.6 Millionen ILS

Fertigstellung    1988

Gruppenstruktur    Traditionelles dreizügiges Klassensystem

Eine dorfähnliche Anlage über dem Mittelmeer, die Klassenräume sind um eine Reihe von Gemeinschaftsbereichen frei angeordnet.

Die Schule wurde für einen kleinen Touristenort auf einem sehr schönen Grundstück errichtet. Das Architekturkonzept stellt einen engen Bezug zur Topographie her, einer zum Meer führenden Schlucht zwischen zwei Hügeln mit Wohnsiedlungen. Das Gebäude besteht aus einer Reihe von verbundenen Höfen, um die herum kleine villenartigen Pavillons im Stil der Wohnhausarchitektur der Region angeordnet sind.

Die Gebäude sowie der Hof fügen sich der Hanglage und bieten herrliche Ausblicke aufs Meer. Die Architekten haben die Gebäudeanordnung auf die Außenräume abgestimmt: Ein Eingangsbereich wird durch den Verwaltungs – und den Bibliotheksflügel definiert; ein Amphitheater führt vom Eingang zum „Dorfplatz“, einem Gemeinschaftsbereich, den Gruppen von Klassenräumen einfassen; und schließlich ergänzt ein kleiner Patio die Räume des Kindergartens. Mithilfe dieses Vokabulars wird das architektonische Planungskonzept definiert und eine kompakte urbane Figur geschaffen, die Sicherheit und Gemeinschaftssinn vermittelt.

Die Raumorganisation eines jeden Teilgebäudes folgt einer Einteilung in funktionale Bereiche, die jedoch insgesamt ein zusammenhängendes Ensemble bilden. Verwaltungsbüros und Bibliothek flankieren den halb-offenen Hof im Bereich des hangabwärts gelegenen Eingangs. Die Empfangsschleuse bildet das Gelenk beider Flügel. Dahinter liegt das Amphitheater, das als Gemeinschaftsbereich allen Schülern zur Verfügung steht. Mit seiner malerischen Meereskulisse ist dies ein einzigartiger Ort, der seine idyllische Lage vollständig ausschöpft. Über gestufte Säulengänge an beiden Seiten des Amphitheaters gelangt man zum Schulhof auf der nächsten Ebene, um den die Klassenräume gruppiert sind. Zu jedem Klassenraum gehört ein eigener Hof an der Außenfassade des Gebäudes, ein zusätzlicher Außenbereich abseits der Gemeinschaftshöfe im Inneren des Ensembles. Weiter hinauf gelangt man in den Schulhof der Vorschulkinder. Das pädagogische Konzept bildet einen wesentlichen Aspekt in der Architektur. Die traditionelle geschlossene Klassenraumstruktur wird durch ein offenes Grundrissprinzip aufgelockert. Die Schüler sind in drei Altersgruppen eingeteilt, für die jeweils eine eigene, deutlich
hervorgehobene „Hauszone“ zur Verfügung steht.

Der Schule entstanden somit flexible Nutzungsmöglichkeiten, ohne dass dadurch zu viele Ablenkungen für die Kinder geschaffen wurden. Dies kommt besonders in den Klassenraumgruppierungen zur Geltung: Dort gibt es massive Trennwände zwischen den Unterrichtsräumen, eine Glaswand mit Tür zum eigenen Hof an der Außenseite und eine Öffnung zum Gemeinschaftsbereich an der vierten Innenwand. Das Gefühl der Zugehörigkeit zu den unterschiedlich strukturierten Gruppen, deren Größen vom kleinen Kiassenverband bis zur gesamten Schülerschaft reichen können, wurde behutsam inszeniert. Die architektonische und pädagogische Struktur bildet eine Art gesellschaftlichen Lehrplan, der Freundschaften über die Altersgruppen hinweg fördert.

Grundschule Burr Fairfleid, Connecticut, USA

Grundschule Burr Fairfleid, Connecticut, USA

Architekt    SOM .Education Lab‘, New York

Kapazität    496 Schüler von 5-11 jahren

Bebaute Fläche    6.500 m2

Klassenraumgröße     79 m2

Parkplätze    60

Baukosten    12 Millionen USD

Fertigstellung    2004

Gruppenstruktur    Vierzügiges Klassensystem. 22 Schüler pro Klasse

Kompakter Grundriss mit charakteristischen Innenhöfen zur Realisierung einer wirtschaftlichen und ansprechenden Anlage

Zwei im Vorfeld von Schulpianungen regelmäßig auftretende Themen sind erstens die Raumverknüpfungen zwischen den verschiedenen Funktionsbereichen – ein Anliegen insbesondere der Mitarbeiter – und zweitens das Verfangen nach Gebäuden mit expressiven Freiformflächen und runden und organischen Formen, in denen das lernen Spaß macht – ein Anliegen insbesondere der Kinder. Diese beiden ZieSvorsteliungen widersprechen einander zumeist.

In der Grundschule Burr ist es den Planern mit einem charakteristischen neuen Schulgebäude gelungen, beiden Wünschen gerecht zu werden. Aus der Entfernung nimmt man einen zweigeschossigen rechteckigen Block mit Mezzaningeschossen wahr, der an eine elegante, großflächig verglaste Fabrik auf grüner Wiese erinnert. Bei genauerer Betrachtung weist die Grundform jedoch reizvolle Einblicke auf, etwa durch halbovale Aussparungen am rückwärtigen Parkplatz, und – in noch stärkerer Ausprägung – an der Südseite. Beide fungieren als Eingangshöfe. Vier weitere, amöbenförmige Gebäudeeinschnitte bilden Lichtschächte innerhalb der rechteckigen Grundrissform. Dadurch entstand eine außergewöhnliche, Sichtdurchfiutete Architektur ohne Einbußen für die Kohärenz der wesentlichen Funktionen im Grundriss.

Die Raumorganisation folgt einem orthogonalen Prinzip, indem konventionelle Klassenräume mit quadratischem Grundriss an den Längsseiten des Quaders aufgereiht sind und gemeinsame Nutzungen wie Turnhalle, Cafeteria und Aula zwischen sich einkiammern. Die Ausspa-
rungen für Lichthöfe sorgen für räumliche Spannung und gliedernde Akzente im Grundriss. Sie sind zugleich ein organisatorischer Kunstgriff. Ähnliche Räume sind um eine Naturkunde-, eine Musik- und eine Cafeteria-„Blase“ gruppiert. Dicht zusammengefügt fungieren negative und positive Formen dann entweder als äußere Leerräume oder als Innenbereich. Aus der Intimität der Innenhofform entwickelt sich ein Gefühl von räumlicher Ambivalenz; die Differenzierung zwischen Innen und Außen scheint aufgehoben zu sein. Eine weitere positive Auswirkung ist die ebenso expressive Formensprache der als Verkehrszonen dienenden Zwischenräume, die einen erfrischenden Kontrast zu den gewohnten geradlinigen Korridoren vieler Schulen mit einem ähnlichen Grundrisstyp darstellen.
Das 6 ha große Grundstück ist mit Eichen-, Ahorn- und Tulpenbäumen bedeckt, eine Art von Waldland, die infolge suburbaner Zersiedlung – welche wiederum den Bedarf an einer Schule bewirkt – zusehends schwindet. Die Integration der Natur in die Gebäudeform ist einer der konzeptionellen Schlüsselgedanken. Alter und neuer Baumbestand ragt aus dem Schulgebäude empor und macht die Natur in den Innenhöfen greifbar. Nord- und Südwände bestehen aus Betonblöcken mit einer blasenartig rustizierten Oberfläche. Eine lange geschwungene Bank aus rauem regionalen Naturstein im Eingangsbereich ist ein Tribut an die natürliche Umgebung und ihre Geschichte, eine Anspielung gar auf den amerikanischen Traum von einer naturgemäßen Zivilisation.

North Kildare Educate Together School Celbridge, County Kildare, Irland

North Kildare Educate Together School Celbridge, County Kildare, Irland

Architekt Grafton Architects, Dublin

Kapazität 245 Schüler. 4 -12 J. (12 autistische Kinder)

Bebaute Fläche 1.200 m2

Klassenraumgröße o 76 m2: bzw. 96 m2: (autistische Kinder)

Parkplätze 24 (Mitarbeiter)

Baukosten 5 Millionen EUR

Fertigstellung 2002

Gruppenstruktur Einzügig mit integrierter autistischer Gruppe

Die Schule verfolgt mit einer eingegliederten Gruppe für Autisten und mit sozialen Gemeinschaftseinrichtungen eine integrative Bildungspolitik

Diese in einer abgelegenen, halbländlichen Gegend an-gesiedelte Schule befolgt drei wesentliche Vorgaben: erstens die Integration einer eigenen Gruppe für Autisten in den Grundschulplan, zweitens die Errichtung eines defensiven, gegenüber Vandalismus außerhalb der Schulstunden resistenten Gebäudes und drittens eine kostengünstige und robuste Bauweise, ohne Abstriche bei der architektonischen Qualität. Diesen Vorgaben wurde hier nicht nur entsprochen, sondern sie fanden Umsetzung in einem Gebäude mit starker, positiver Präsenz im öffentlichen Raum und in einer höchst effizienten Form. Der Grundriss des eingeschossigen Gebäudes umschließt eng einen innenhofgarten; ein Gebäudeflügei mit Kiassenräu-men ist zur südwestlichen Sonne ausgerichtet, und die autistische Einrichtung befindet sich an der südöstlichen Seite. Haupteingang, Verwaltung und Mehrzweckhalle liegen an der nordwestlichen Straßenseite. Jeder Klassenraum hat einen eigenen Zugang zu den hinteren Spielplätzen. Der Erschließungsweg führt an drei Seiten um den Innenhof und verbindet die Klassenräume und den autistischen Bereich mit dem Haupteingang. Den Planern zufolge soll dieser Hof den Mitteipunkt der Schule bilden und im Laufe der Zeit eine reichhaltige Flora und Fauna aus Blumen, Pflanzen, Bäumen, Vögeln und Insekten entwickeln. Die Klassenräume verfügen über jeweils eigene kleine Höfe an der Gebäudeaußenkante, die Unterrichtsbereiche sind indessen südöstlich oder südwestlich ausgerichtet. Die Klassenräume enthalten ferner kleine „Höhlen“, Arbeitsnischen, die bei Bedarf für Einzel- und Kleingruppenarbeiten genutzt werden können. Eigene
Spielecken und angeschlossene Umkleiden verleihen den Klassenräumen Eigenständigkeit, als handele es sich um eine in sich abgeschlossene Schule innerhalb der Schule. Im Bereich für autistische Kinder gibt es einen ähnlichen, separaten und von den Unterrichtsräumen aus direkt zugänglichen Allwetter-Hof mit Spielzeuglager, der unmittelbar an den zentralen Hof anschiießt. Mit viel Gespür wurden hier räumliche Schichten geschaffen, die den Wunsch des Bauherrn nach Integration unterstützen. Das Gebäude befindet sich in einem subtilen Gleichgewicht aus Steuerung und demokratischer Bewegungsfreiheit. Beispielsweise wurden die Räumlichkeiten für Mitarbeiter, Schulleitung und Bibliothek so organisiert, dass der Eingangsbereich von dort aus überblickt werden kann; wenn Eltern ihre Kinder abholen, warten sie im Eingangshof,
der vom Haltebereich für Busse und Autos durch einen Einfassungszaun getrennt ist, der wiederum von den Ge-bäudefreifiächen umgeben ist, sodass dieser Bereich als integraler Bestandteil der Architektur und nicht als nachträgliche Ergänzung wahrgenommen wird. Es wurden vorzugsweise natürliche Materialien verwendet: Backstein im Sockelbereich der Mauern, Holzfenster, Terrakotta für Fensterbänke, Birkenholz als Außenverkleidung und ein Kupferdach. Dies unterstützt die Kinder in ihrem visuellen und haptischen Verständnis ihres Umfelds. Die gemauerten Außenwände wurden zu einem großen Teil verputzt und verleihen dem Gebäude einen skulpturalen Charakter. Diese Eigenschaft wird durch die expressive Dachlandschaft akzentuiert.

 

 

Mary-Poppins-Grundschule Berlin, Deutschland

Mary-Poppins-Grundschule  Berlin, Deutschland

Architekt    Caroia Schäfers Architekten, Berlin

Kapazität    600 Schüler von 5-11 Jahren

Bebaute Fläche    3.000 m2 (ohne Turnhaiie)

Klassenraumgröße    a 65 m2

Parkpiätze    3

Baukosten    10.3 Millionen DM (ohne Turnhalle)

Fertigstellung    2000

Gruppenstruktur    Traditioneile dreizügige Schule

Die zentrale Grundschule mit separater Turnhalle ist Bestandteil eines Masterplans für eine neue Wohnsiedlung

Die Schule ist zentraler Bestandteil der Infrastruktur für ein derzeit im Bau befindliches Wohngebiet auf dem ehemaligen Flugplatzgelände von Gatow am Westufer der Berliner Havel. Kernstück der Siedlung ist eine große Wiese, die erhaben und aufgewertet wurde, um das neue Wohngebiet mit einer „grünen Lunge“ zu versehen und den vorhandenen See mit einer neuen Parkanlage zu verknüpfen. Wiese und Park sind durch eine neue Reihenhauszeile begrenzt. Die für Kinder und Familien gut erreichbare Schule liegt zwischen Wohnbebauung und Grünzone im Herzen der ökologisch orientierten Neubausiedlung.

Die freistehenden Volumen der Wohnhäuser und der Schule tragen zur Gliederung der öffentlichen Freiräume bei und sorgen für Aussichten Ober die Baukörper hinweg und zwischen ihnen hindurch. Die Schule selbst umschließt mit den drei Seiten ihrer U-Form einen nach Süden geöffneten Hof. Das dreigeschossige Gebäude bildet eine schützende Rückwand zur Straße im Norden; im Erdgeschoss schließt eine Fußverbindung den Hof und setzt die Ost-West-Achse des Grundstücks fort. Von hier aus erreicht man die Turnhalle im Osten mit Fußballplätzen und einem gewöhnlichen Spielplatz im Westen. Die Sporteinrichtungen sind gemeinnützige Anlagen und werden tagsüber von den Schülern und abends von den lokalen Bewohnern genutzt.

Die Klassenräume sind in den zwei Ost-West-Flügeln des Schulgebäudes entlang eines zweibündigen Korridors und in Fluchten von vier Räumen angelegt, im Erdgeschoss mit der Vorschule beginnend und im dritten Geschoss mit der sechsten Klasse abschließend. Je älter die Kinder werden, desto höher steigen sie in dem Gebäude auf. Verwaltung, Lehrerzimmer und Medienraum/Bibliothek befinden sich auf Erdgeschossniveau innerhalb eines abgeschlossenen „Erwachsenenbereichs“ im Westflügel. Das Foyer ist ein eindrucksvoller dreigeschossiger Raum mit Galeriebrücken in den oberen beiden Ebenen, die über eine auffällige, ovale Treppe erschlossen werden. Das Hinauf- und Hinabsteigen in dem Gebäude macht sie zu einem Erlebnis.

Architektonisch orientiert sich das Gebäude mit Flachdächern und weiß verputzten Wänden an der Bauhaus-Moderne des 20. Jahrhunderts. Neben gedämpften Farben verwenden die Architekten natürliche Materialien wie Holz für Fenster, Decken und Wandverkleidungen. Durch das Zusammenspiel der Oberflächen mit einer subtilen Seiten- und Oberbelichtung in den Erschließungsbereichen und Gemeinschaftsräumen entsteht ein gedämpftes und doch wirkungsvolles Gebäude. Das Thema der Raumorientierung war den Architekten offenbar ein besonderes Anliegen. Je nach Raumsituation weiten oder verengen sich die wirkungsvoll belichteten Verkehrsflächen. Das robuste Gebäude ist auf die Beanspruchungen zukünftiger Generationen ausgerichtet und hat eine wirkungsvolle Präsenz im öffentlichen Raum.