Im bunten Reich der Steine

By | April 14, 2016

Zarte Blüten zwischen schroffen Steinen: Der Reiz eines Steingartens liegt im Kontrast. Wir zeigen Ihnen, wie so ein Stück Hochgebirge in Ihren Garten kommt. Enzian, Grasnelke, Alpenaster, Steinbrech, Sonnenröschen, Küchenschelle, Seifenkraut und die vielen anderen, die wir auf diesen Seiten zeigen, sind nur einige aus der großen Zahl der Pflanzen, die in den extremen Verhältnissen eines kargen, steinigen Bodens gedeihen. Mehr noch: Unter diesen Bedingungen blühen sie prächtiger als in jedem guten Gartenboden. Perioden der
Trockenheit, sommerliche Hitze und strenge Kälte, wenig Raum für die Wurzeln und magerer Boden – typisch für den Extremstandort – sind für sie lebensnotwendig.

In einem normalen Garten sind solche Gegebenheiten nur selten zu finden, doch es gibt viele Möglichkeiten, sie zu schaffen. Ein Abhang an der Terrasse, Wälle links und rechts eines Hohlwegs, der Streifen rund um den gepflasterten Sitzplatz können gut als Steingarten angelegt werden, wenn sie sonnig liegen. Das Wichtigste ist der Unterbau, denn ohne dränierende und nährstoffarme Grundlage können sich Steingartenpflanzen nicht lange halten. Der Mutterboden wird also 30 bis 40 cm tief ausgehoben und gegen Abfallsteine oder Schotter ausgetauscht. Am besten
verdichtet und stabilisiert man diese Schicht mit einem Rüttler. Die gesamte Fläche sollte rundherum etwa einen halben Meter größer sein als später für den eigentlichen Steingarten gebraucht wird, so wächst das neue Biotop nicht von außen her zu. Darauf werden nun große oder kleine Steine angeordnet, Schotter- und Kiesflächen angelegt oder Trockenmauern aus Backsteinen oder Feldsteinen (ohne Mörtel) aufgeschichtet. Lücken zwischen den Steinen füllt man mit Sand, Splitt oder feinem Steinschutt. Für die Pflanzflächen eignet sich eine magere Erdmischung aus drei Teilen Komposterde, zwei Teilen Mineralgemisch (Sand, Splitt, Kies) sowie einem Teil Rindenhumus. An Steinen wird verwendet, was in der Gegend zu bekommen ist. Sehr gut geeignet sind Sand- und Kalkstein, die es als Naturstein, aber auch behauen als Platten und Blöcke zu kaufen gibt. Schöne, bizarre Formen mit unregelmäßiger Oberfläche, Rissen und Löchern haben Tuffsteine. Sie speichern viel Wasser und sind deshalb nicht für alle Steingartenpflanzen günstig. Aus Granit sind meist die Findlinge, die als Blickfang in die Anlage eingebaut werden können.

In engen Felsspalten und auf magerem Boden blühen Steingartenpflanzen auf: Rosen- oder Mehlprimel (Primula rosea) wächst im Schatten größerer Steine und liebt mehr Feuchtigkeit als die meisten anderen Steingartenpflanzen. Storchschnabel (Geranium hima-layense Johnson’s Blue“) mag wechselsonnige Lagen und trockenen bis mäßig feuchten Boden. Hungerblümchen (Draba aizoides) ist ein Sonnenfreund, der auch in Felsspalten noch Fuß faßt. Alpenbalsam (Erinus alpinus) ist extrem genügsam und wächst in Felsspalten, auf porösen Steinen oder Trockenmauern. Je nach Sorte sind die Blüten rosa bis purpurrot.

Auch ganz ohne Natursteine lassen sich Steingärten an-legen. Eine breite Fuge in der alten Gartenmauer, einige Dachziegel, U-förmige Betonsteine von der Hangbefestigung oder ein Terrakottakübel bieten Platz genug für ein paar Pflanzen. Zusammen mit Kakteen, die im Sommer mit Topf in den Boden gesetzt werden, kann auch eine kleine Wüstenlandschaft vor der Haustür entstehen (vorletztes Bild). Wichtig: Der Boden muß so durchlässig sein, daß kein Wasser darin stehen bleibt.

Gießen und Düngen im Steingarten
Die Pflanzen im Steingarten stammen überwiegend aus Hochgebirgsregionen mit kargem, nährstoffarmem Boden. Doch da die Vegetationsperioden wegen der langen Winter kurz sind, kommen sie damit aus. Anders im Garten: Die Sommer sind schön lang, die Ruhephasen kurz. Und so muß öfter mal gedüngt werden. Richtig für diese Pflanzen sind kalibetonte Mehrnährstoffdünger. Bei üblichen stickstoffreichen Düngern entwickelt sich eine blattreiche Pflanze mit matten, langstieligen Blüten.
Die Bedingungen im Hochgebirge sind auch Maßstab fürs richtige Gießen: Da dort Nebel häufiger ist als Regen, sind die Pflanzen darauf eingestellt, Feuchtigkeit in Blattrosetten oder dem dichten Geflecht von Trieben und Blättern zu speichern. Durchnäßten Boden vertragen die wenigsten. Deshalb ersetzt man ihnen die heimatliche Nebelfeuchtigkeit an heißen Sommertagen durch das abendliche Übersprühen mit Wasser.
Strenge Winter sind die Pflanzen gewöhnt. Allerdings sind sie im Gebirge in der Regel durch eine dicke Schneedecke gegen Kälte und Feuchtigkeit geschützt. Da im Tiefland oft Frost- und Tauwetterperioden abwechseln, brauchen sie Schutz gegen zuviel Feuchtigkeit, damit sie nicht faulen, und gegen die warme Wintersonne, die sie oft zum frühen Austreiben veranlaßt. Geeignet ist die Abdeckung mit Folie und/oder Fichtenzweigen.

Die schönsten Steingartenpflanzen

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