Siedlergarten

By | September 20, 2017

Siedlergarten. Bis zu den 30er Jahren plante man Gartensiedlungen mit Einzelhäusern, bei denen die Grundstücksgrößen etwa 800 bis 1 250 m2 betrugen.

In ländlichen Gebieten besaßen die Gärten einen großen Nutzgarten und wurden als „Siedlergärten“ bezeichnet. War dagegen der Wohngarten größer, hießen sie „Hausgärten“. Bei vielen Grundstücken ist heute nicht mehr zu unterscheiden, welcher Gartenform sie angehören. Sie wurden infolge neuer Ansprüche verändert und umgebaut.

Bei Gärten, die mehr Siedler- als Hausgartencharakter besitzen, gehören zum Gartenprogramm im wesentlichen: o Vorgarten,Bei Gärten, die mehr Siedler- als Hausgartencharakter besitzen, gehören zum Gartenprogramm im wesentlichen: o Vorgarten,
> Wirtschaftshof,
> Blumenbeete,
> Spielplatz für Kinder,
> Obstgarten, oft im Grasland,
> Gemüseland, z. T. feldmäßig für Futteranbau,
> Frühbeetkastenanlage,
> Kleintierhaltung,
> Kompostplatz.
Siedlergärten sind nach wirtschaftlichen Erfordernissen regelmäßig angelegt. Die Wegeführung ist gradlinig; Nebenwege kreuzen rechtwinklig. Es werden fast ausschließlich Obstbäume und Beerensträucher angepflanzt. Zierge-hölze kommen nur im Vorgarten oder am Sitzplatz vor. Auch die Blumen werden oft nur auf Beeten und zum Schnitt angezogen.

Neuanlage eines Siedlergartens von 800 m2. Eine kinderreiche Familie erhielt ein bisher nicht bebautes Grundstück in einem Siedlungsgebiet zum Eigenheimbau. Die Eltern sind am Anbau von Obst und Gemüse interessiert und wollen im Garten arbeiten als Ausgleich zu sitzender Tätigkeit. Obstanbaufläche und Gemüseland nehmen einen großen Flächenanteil ein. Kaninchen- und Hühnerstall mit Auslauf liegen in der Mitte des Grundstücks.
Der Eingangsweg zum Haus setzt sich durch den Garten fort. An ihm liegen alle wichtigen Teile des Gartens. Auf der rechten Seite steht eine durchgehende Obstbaumreihe. Sie läßt die Grenze zum Nachbarn deutlich erkennen. Zur anderen Seite liegt vor dem Haus ein kleiner Vorgarten mit Rasen und einigen Ziersträuchern. Hinter dem Haus befindet sich der Wohngarten mit einer befestigten Hoffläche, einem Sitzplatz auf dem Rasen, Blumenbeeten und hohen Ziergehölzen zum Nachbarn hin. Sie rahmen zusammen mit den Obstbäumen und dem Stallgebäude diesen Wohngartenteil ein. Hinter dem Stall liegen Frühbeetkästen und ein Schöpfbecken. Von hier aus werden Gemüseland und Obstbaumfläche bewirtschaftet.

Umgestaltung eines alten Siedlergartens (1 250 m2). Abbildung  zeigt das Aufmaß eines Siedlergartens mit Hühnerhaltung. Wirtschaftshof und Obstgarten nehmen einen großen Anteil des Grundstücks ein. Die Obstbäume stehen im Grasland, sie sind überaltert und tragen schlecht. Auch die Sorten entsprechen nicht mehr den heutigen Ansprüchen.

Zum Gemüseanbau wird der Vorgarten mit genutzt. Die Obstbäume sollen bis auf den Walnußbaum im Wirtschaftshof gerodet werden. Drei Möglichkeiten einer Neugestaltung werden gezeigt.

1. Variante. Die Familie, die Haus und Grundstück erwirbt, baut eine Garage im Keller aus und will den Garten mit geringem Kostenaufwand erneuern. Eingangsweg und Wirtschaftsweg im Nutzgarten bleiben erhalten. Der Wirtschaftshof wird so verkleinert, daß Obstland sowie Gemüse- und Erd-beerfläche etwa gleich groß sind. Eine neue Obstbaumanpflanzung erfolgt im rückwärtigen Gartenteil nach tiefer Bodenbearbeitung, Bodenverbesserung und einem Wechsel der Obstarten, um der Bodenmüdigkeit entgegenzuwirken. Sobald der Obstertrag dort nachläßt (nach etwa 25 Jahren), werden Obstland und Gemüseland ausgetauscht. Die Frühbeetkastenanlage kommt in den Gemüsegarten, der Hühnerstall mit dem Auslauf zu den Obstbäumen. Der frühere Wirtschaftshof wird umgegraben und mit Rasen angesät. Hier ist Platz zum Arbeiten, Ausruhen und zum Spielen. Es wird in Kauf genommen, daß an Trittstellen die Gräser ausfallen. Entlang der Grenze zum Nachbarn werden im Bereich des Hauses Ziersträucher und im Nutzgartenteil Beerenobst gepflanzt.

2. Variante. Am Wohnhaus erfolgt kein An- oder Ausbau. Die Garage kommt hinter das Haus, zusammen mit Geräteschuppen, Werkstatt und Hühnerstall. (Abstand von 3 m zur Grundstücksgrenze einhalten!) Ein kleiner Wohngartenteil schließt sich mit Rasenfläche, Kinderspielgeräten, Sitzplatz und Blumenbeeten an das Gebäude an. Hof- und Arbeitsplatz liegen vor der Garage. Obst- und Gemüsegarten sind etwa gleich groß, so daß später ein Wechsel der Anbauflächen möglich ist. Den Eingangsweg begleiten Blumenbeete und eine abschirmende Strauchpflanzung bis in die Höhe des Sitzplatzes. Im Vorgarten, der zur Straße hin von einer Hecke begrenzt wird, wachsen Erdbeeren. Bei dieser Variante ist allerdings der Zufahrtsweg zur Garage ungünstig. Das sollte bedacht werden.

3. Variante. Zusammen mit dem Anbau einer Garage am Haus wird eine Terrasse angelegt. Unmittelbar anschließend liegt der Wohngartenteil mit Spielrasen und einer Staudenpflanzung an der Böschung. Der Eingangsweg wird als Umgang durch den Nutzgarten bis zur Terrassentreppe fortgeführt. Frühbeetkastenanlage, Bienenhaus, die Beerenstrauchreihen und das Gemüseland sind dadurch gut erreichbar. Obstfläche und Gemüseland sind austauschbar wie in den vorangegangenen Beispielen. Ein alter Obstbaum ist wegen der Bienenhaltung vorerst erhalten geblieben. Das Bienenhaus liegt mit seinen Fluglöchern nach Südosten. Eine Strauchreihe vor dem Haus zwingt die Bienen hochzufliegen. Im Vorgarten befindet sich eine breite Blumenrabatte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.