Billige Elektrogeräte – Alles Schrott? Teil 1

By | April 18, 2016

Elektrowerkzeuge für weniger als 30 Euro sind zur Zeit der Renner in Bau- und Supermärkten. Da greift man gerne zu. Doch die Frage bleibt: Schund oder Schnäppchen? Wir haben solche Billigwerkzeuge einmal unter die Lupe genommen. Und wir wollten auch wissen, was hinter dem Boom der Importgeräte steckt.

Schwingschleifer für 10 Euro, Winkelschleifer für 15 Euro oder Schlagbohrmaschine für 25 Euro lauten Angebote, die in den letzten Monaten immer öfter in den Anzeigen und Beilagen der Baumärkte, aber auch von Supermärkten und sogar Discountern wie Aldi zu finden sind. Viele Heimwerker sehen darin interessante Schnäppchen, wie die Verkaufszahlen zeigen. Der Marktanteil von Billigwerkzeugen, die vorwiegend aus der  Volksrepublik China, aber auch aus ehemaligen Ostblockländern den deutschen Markt überschwemmen, ist mittlerweile auf circa 13 Prozent gestiegen. Bei einzelnen Werkzeugen wie z. B. Einhandwinkelschleifern haben die Billigofferten schon einen Marktanteil von 80 Prozent erreicht. Namen wie Einhell, Eitos, Faust, Ferm, Haager, Interkrenn, Lematec, Brüder Mannesmann, Meister, Stayer, Tech und TIP stehen auf diesen Werkzeugen. Mit wenigen Ausnahmen kommen diese Produkte aus China.
Eitos läßt in Bulgarien in einer ehemaligen AEG-Lizenzpro-duktion fertigen. Da die alten AEG-Formen weiterverwendet werden, gleichen die Geräte etwa fünf bis zehn Jahre alten AEG-Werkzeugen. Stayer vertreibt Elektrowerkzeuge aus Italien.
Interkrenn, heute zusammen mit Einhell Marktführer unter den Importeuren, war eines der ersten Unternehmen, das Elektrowerkzeuge aus China importierte. Der deutsche Importeur ist sogar an drei Fabriken in China beteiligt. Doch um die riesige Nachfrage befriedigen zu können, müssen immer wieder Elektrowerkzeuge aus anderen Fertigungen zugekauft werden. Letztlich bedienen sich alle Importeure bei den gleichen Herstellern in China. Deshalb kommt es vor, daß sich zahlreiche Maschinen optisch gleichen. Der Unterschied scheint nur im anderen Firmenaufkleber zu liegen. Da jedoch bestimmte Produkte auch von mehreren chinesischen Herstellern unter Verwendung gleicher Gehäuseformen zusammengebaut werden, kann es je nach Produktionsstätte und verwendeten Teilen Unterschiede geben.

Insgesamt sind im ersten Halbjahr 1995 2,7 Millionen Elektrowerkzeuge zu einem Durchschnittspreis von 34 Mark aus China importiert worden. Hierbei handelte es sich meistens um einfach ausgestattete Maschinen. Die Renner sind Winkelschleifer. Auch bei Akkubohrschraubern haben die Chinesen hohe Marktanteile erobert. Neben den genannten Importeuren bieten auch fast alle Großversandhäuser Akkubohrschrauber aus Fernost an. Doch der Importboom macht bei diesen beiden Produktgruppen nicht halt. Da gibt es Schlagbohrmaschinen ebenso wie Schwing- und Exzenterschleifer. Selbst Hobel und die noch jungen Dreieckschleifer aus chinesischer Produktion können in Deutschland gekauft werden.
Es handelt es sich jedoch nicht nur um Eigenentwicklungen, sondern oft auch um Nachbauten deutscher Werkzeuge.
Im letzten Jahr wurde für einen Winkelschleifer der Firma Lionto aus Hongkong der Plagiarius für eine besonders dreiste Kopie verliehen. Die Maschine glich einem Metabo-Modell so exakt, daß sogar die Originalersatzteile hätten verwendet werden können. Ein anderes Unternehmen bot eine Kopie des Bosch-Bohrham-mers UBH 2/20 S unter dem Phantasienamen „Bioch“ an. Der Nachbau war täuschend echt und der Hersteller noch so frech, daß er sogar die Originalbedienungsanleitung von Bosch kopierte. Nach dem Motto „Frechheit siegt“ werden fette Gewinne gemacht.

1994 stellte die Firma TIP auf der Kölner Eisenwarenmesse einen Dreieckschleifer vor, der bis auf die Gehäusefarbe dem erst kurz vorher vorgestellten Bosch Deltaschleifer glich. Auch wenn dieses Modell aus patentrechtlichen Gründen dann doch nicht auf den Markt kam, gibt es mittlerweile dennoch chinesische Dreieckschleifer zu kaufen, zum Beispiel von Einhell und unter dem Namen Chang Zhou.
Bei den deutschen Elektrowerkzeugherstellern macht sich der Preisdruck, der von den Fernostimporten ausgeht, bemerkbar. Sie mußten mit Preisermäßigungen und Sonderangeboten bei den einfacheren Modellen reagieren. Wobei die Preise der Importmaschinen jedoch kaum zu erreichen sind, denn häufig liegen schon die Verkaufspreise im Handel unter den reinen Materialkosten. Da zudem noch die Produktionskosten in Deutschland relativ hoch sind, wird der Importboom langfristig zu einer Arbeitsplatzverlagerung führen.

Was hat nun der Heimwerker von den billigen Elektrowerkzeugen, die häufig nur deshalb gekauft werden, weil sie gerade so billig sind. Es handelt sich überwiegend um einfache Maschinen, die in ähnlicher Form bei den Markenherstellern mittlerweile auch für weniger als 100 Mark zu erhalten sind. Dennoch bleibt ein Preisvorteil von häufig mehr als 50 Prozent. Für 100 Mark kann man sich so eine Heimwerker-Grundausstattung aus mehreren Elektrowerkzeugen zusammenstellen.

SelberMachen hat 20 solcher Billigwerkzeuge in diversen Märkten gekauft und sie einmal genauer anguckt. Schon beim Auspacken gab’s die ersten Überraschungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.