Billige Elektrogeräte – Alles Schrott? Teil 2

By | April 18, 2016

Da fehlten Bedienungsanleitungen und Zubehör zum Einstellen des Geräts. Manche Bedienungsanleitungen waren haarsträubend und in so miserabler Qualität kopiert, daß sie dem Anwender kaum eine Hilfestellung bieten.
Andere Maschinen wie zum Beispiel eine 300-Watt-Bohrmaschine von Einhell hatte ein total ölverschmiertes Bohrfutter. Auch schlecht passende Gehäuse und lose Kabel fielen bei den neuen Geräten auf. Weitere Überraschungen gab es beim Funktionstest. Hakende Schalter, hohe Getriebegeräusche und schlagende Bohrfutter konnten unsere Tester gleich serienweise feststellen. Bei einer Meister-Bohrmaschine ließ sich die Drehzahlsteuerung nicht betätigen, bei einer Einhell-Stichsäge konnte das Stellrad endlos bis zum Motorstillstand gedreht werden. Die Elektronik einer 500-Watt-Bohrmaschine von TIP fraß soviel Energie, daß es unmöglich war, festsitzende Schrauben zu lösen. Schon mit der bloßen Hand bereitete es keine Probleme, das Schnellspannbohrfutter der Maschine festzuhalten. Zudem war der Abrieb der Kohlebürsten so stark, daß es aus den Lüftungsschlitzen nur so staubte.
Eine Interkrenn-Stichsäge hielt einem zufälligen Sturz von der Werkbank nicht stand, das Gehäuse zerbrach. Weitere Funktionstests konnten nicht mehr durchgeführt werden. Dabei hätten wir dieses Gerät gern noch weiter geprüft, zumal es serienmäßig mit Parallelanschlag und Kreisschneider ausgestattet war, Markenherstellern nicht selbstverständlich ist. Der Interkrenn-Exzenter-schleifer EX 115 ist mit integrierter Staubabsaugung ausgestattet. Ein Kunststoffbügel, der den Staubsack spannen sollte, war jedoch aus so sprödem Material, daß er schon beim Auspacken zerbrach. Beim Versuch, den festsitzenden Staubbeutel zu wechseln, riß schließlich sogar die Kunststoffhalterung ab.

Der Einhell-Akkubohrschrauber IPS 12 für 89 Mark kam mit 12-Volt-Wechsel-akku und diversen Schrauberbits und Bohrern in einem kleinen Kunststoffkoffer.
Das kleine Ladegerät brauchte zwölf Stunden, bis der Akku wieder aufgeladen war. Bei dieser Maschine ließ sich die vierstufige Drehmomenteinstellung nur auf die unteren drei Stufen einstellen. An ein Eindrehen größerer Schrauben oder ans Bohren war so nicht zu denken. Ein Einzelfall?

Bei Nachprüfungen von mit CE- und teilweise auch mit GS-Zeichen gekennzeichneten Billigwerkzeugen durch den VDE und den TÜV-Süd-west kamen im letzten Jahr erschreckende Ergebnisse zutage. Die Mehrheit der Geräte erfüllte die Sicherheitsvorschriften nicht. So wurde festgestellt, daß Bauteile oder Schalter zu leicht herausbrechen können und elektrische Teile dann direkt berührbar sind. Funk-schutz- und Hochspannungsprüfungen wurden häufig nicht bestanden. Einzelteile wie Entstörkondensatoren oder Kabelverbindungen konnten sich zu leicht lösen. Teilweise wurden nicht vorschriftsmäßige Bauteile (Flansche, Schalter, Schutzhauben, elektrische Leitungen) verwendet. Abdeckungen von Kohlebürsten ließen sich mit dem Fingernagel öffnen, und Gehäuse zersprangen. Bei Erwärmungsprüfungen kam es zu erhöhten Motortemperaturen, die die elektrische Sicherheit gefährden und zu einem frühzeitigen Verschleiß des Motors führen können.

Im 24-Stunden-Dauertest zeigten sich bei einigen Maschinen nach kurzer Zeit Ausfälle.

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