Billige Elektrogeräte – Alles Schrott? Teil 3

By | April 18, 2016

Beispielsweise eine totale Bürstenabnutzung nach nur 30 Sekunden (Ulma-WinkelschleiferWS 115/MS), das Abbrechen von Drähten (Haager HES 170) und das Lösen von Schweißpunkten an der Schutzhaube (Brüder Mannesmann 1216-115).

Die Stiftung Warentest vergab bei ihrem Handkreissägen-Test im November 1995 für die aus Lettland stammende Interkrenn Handkreissäge HKS 200 sogar das vernichtende Testurteil „sehr mangelhaft“: „Die Schutzhaube der Säge schließt so schlecht, daß die Finger des Heimwerkers vor den scharfen Zähnen kaum geschützt sind.“ Es gab auch angenehme Überraschungen: Bei einigen Inter-krenn-Geräten fanden wir ein Paar Ersatzkohlebürsten im Karton. Allerdings erfordert der Austausch der Kohlebürsten mit Ausnahme des Winkelschleifers EWS 115 ASM das Aufschrauben der Gehäuseschalen. Eine Anleitung dafür gab es nicht und auch keinen Hinweis auf die nach dem Zusammenbau erforderliche Hochspannungsprüfung.
Mit Ausnahme von Einhell, der auf seine Werkzeuge ein Jahr Garantie gewährt und über ein eigenes Servicenetz verfügt, beschränken die meisten Importeure die Garantie auf die gesetzliche Gewährleistungsfrist von sechs Monaten. Manche Garantieeinschränkungen schrecken jedoch Käufer ab. So wie bei Lematec, die Mängel nur kostenlos beheben wollen, welche nachweisbar auf die Verwendung nicht einwandfreien Materials bei der Herstellung oder Montage zurückzuführen sind, oder gar nur die defekten Teile ersetzen. So bei Interkrenn, wo in der Bedienungsanleitung die Rückgabe in Originalverpackung verlangt wird. Nach eigenen Aussagen hat Interkrenn jedoch die einfachste Garantieabwicklung der Branche. Bei Beanstandungen während der ersten sechs Monate erhält der Kunde vom Händler ein neues Gerät, denn Interkrenn führt in Deutschland gar keine Reparaturen durch. Geht das Gerät jedoch nach Ablauf der Gewährleistungsfrist kaputt, ist guter Rat teuer. Zwar verschickt der Importeur Ersatzteile, doch einen Reparaturservice muß man sich selber suchen. Wobei die Reparaturkosten häufig auch noch den Kaufpreis der Maschine weit  übersteigen.
Im großen und ganzen konnten wir feststellen, daß die Qualität der gekauften Billigwerkzeuge selbst bei weit-gegend baugleichen Modellen und auch innerhalb der Produktreihe der Importeure höchst unterschiedlich ausfiel. Für den Kunden heißt dies, daß die Gefahr, ein Elektrowerkzeug zu erwerben, das schon beim ersten Einsatz seinen Geist aufgibt, sehr groß ist. Andererseits kann er auch Glück haben, und die gekaufte Maschine hält bei den geplanten Arbeiten durch.
Ist dies nicht der Fall, bleibt der Kunde auf seinem Schrott sitzen, da kaum ein Importeur die Geräte reparieren will. Auch um umweltgerechte Entsorgung kümmern sich die wenigsten Billiganbieter. Was nicht mehr brauchbar ist, geht in den Müll. Die Kosten, die Markenhersteller für Service und ihr gemeinsames Recyclingprojekt aufwenden, fallen bei den Bil-ligheimern erst gar nicht an.

In einer gemeimsamen Kampagne wollen die großen Markenhersteller noch in diesem Jahr zum Angriff auf Importeure und Baumärkte blasen, die mit immer billigeren Angeboten Kunden in den Laden locken wollen. Billig sein um jeden Preis heißt die Devise in vielen Heimwerkermärkten. Ihr Fett haben die Baumärkte nach dem unter Leitung von Professor Dr. Mayer von der Uni München erstellten Kundenbarometer aber bereits wegbekommen: In der Gunst der Kunden sind die Baumärkte im letzten Jahr soweit abgerutscht wie keine andere Branche. Neben der miserablen Beratungsleistung ist sicher auch die schlechte Qualität zahlreicher Baumarktprodukte mit ein Grund dafür.

Prüfzeichen sind keine Qualitätssiegel – Viele Importeure werben mit einem GS-Zeichen auf ihren Geräten, und auch das mittlerweile obligatorische CE-Zeichen wird fälschlicherweise als Qualitätssiegel betrachtet. Während das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit steht, sagt das CE-Zeichen nicht mehr aus, als daß der Hersteller oder Importeur erklärt, daß dieses Gerät den gesetzlichen Normen in der EG entspricht.

Für das GS-Zeichen ist dagegen eine Sicherheitsprüfung des Gerätes notwendig. Solche Prüfungen führen der TÜV und die DEKRA, aber auch andere Prüfinstitute durch. Einige TÜV-Organisationen betreiben dazu sogar Prüfstellen in China. Doch letztlich bedeutet ein GS-Zei-chen nur, daß der Prüfstelle ein Muster Vorgelegen hat, das den Anforderungen an die Gerätesicherheit entsprach. Nachprüfungen in der Produktion einmal pro Jahr sollen zwar die Einhaltung des Standards garantieren. Sie können jedoch meist nicht verhindern, daß in die Produktion unterschiedliche Teile einfließen, die die Sicherheit der Maschine gefährden. Über die Erfüllung der Sicherheitsvorschriften des Prüfmusters hinaus gibt das GS-Zeichen sowieso keine Auskunft über die Haltbarkeit des Produkts.
Nachträgliche Prüfungen einzelner Elektrowerkzeuge haben ergeben, daß GS-Zeichen oft gefälscht und ohne erforderliche Prüfung aufgeklebt werden. Manche Firmen kopieren die Geräte anderer Hersteller so exakt, daß auch Aufkleber und Beschriftungen genauso wie auf dem Original verwendet werden. Wenn da ein GS-Zei-chen drauf war, kommt es auch auf die Kopie. Selbst wenn die Prüfstellen versuchen, solchen Mißbrauch zu verhindern, scheitern sie häufig an dem langen Weg nach China. Und sind sie doch mal erfolgreich, gibt es vielleicht schon die Firma nicht mehr. Die Ware in Deutschland ist längst ausverkauft und möglicherweise sogar schon wieder unter einem neuen Namen im Handel.
Der Endverbraucher kann leider nicht nachvollziehen, ob die Maschine das GS-Zeichen zu Recht trägt oder nicht. Da die europäischen Elektrowerkzeughersteller in der Regel kein GS-Zeichen verwenden und lieber mit ihrem Markennamen für sichere und hochwertige Maschinen bürgen, sind GS-Zeichen auf Elektrowerkzeugen schon fast ein Signal für Importware.

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