Kleber und Leime – Wie gut sind sie wirklich?

By | April 3, 2016

Kein Problem, das kann man kleben. Aber wenn es nicht hält? Dabei kommt es einfach nur darauf an, den richtigen Kleber auch richtig anzuwenden. Ist doch schnell gemacht, so eine Klebung. Einstreichen, zusammenfügen, etwas warten – das war’s. Doch die Enttäuschung ist groß, wenn der Kleber nicht hält, was der Hersteller verspricht. Schnell kommt da der Verdacht auf, man sei geleimt worden. Ärgerlich wird’s erst recht, wenn bei dem Klebeversuch auch noch das Werkstück verhunzt wurde. Der Schluß liegt nahe: Kleben – nur noch, wenn es wirklich nicht mehr anders geht!
Kaum eine Verbindungsart ist so verbreitet, kaum eine ist aber auch mit soviel Enttäuschungen verbunden wie das Kleben. Das Problem: Man sollte wissen, was man tut. Wie funktionieren Klebstoffe, welche Materialien lassen sich miteinander verbinden, wie bereitet man eine Klebung vor? Antworten auf viele Fragen rund ums Kleben finden Sie hier, und als besonderen Service haben wir für Sie eine umfassende Übersicht zusammengestellt.

So hält’s: Die gute Vorbereitung ist beim Kleben alles – Die Qualität einer Klebeverbindung wird durch zahlreiche Faktoren bestimmt. Welcher Klebstoff welche Materialien am besten verbindet, zeigt Ihnen unsere Tabelle. Aber wie gesagt: Teil A mit Teil B zusammenpappen, das gibt garantiert noch kein befriedigendes Ergebnis. Denn Klebeverbindungen werden auch gestaltet. So sollten möglichst große Klebeflächen entstehen, so daß die von außen einwirkenden Kräfte auf der ganzen Verbindung aufgenommen werden. Beanspruchungen auf Biegen oder Schälen (wie beim Pellen einer Apfelsine) schaden jeder geklebten Verbindung. Ebene und planparallele Klebeflächen brauchen nur eine dünne Klebstoffnaht, Reaktionsklebstoffe wie die Zweikomponentenkleber erlauben etwas dickere Klebstoffschichten.
Zum Kleben müssen die Flächen sauber, fettfrei und, wenn in der Gebrauchsanweisung nicht ausdrücklich anders angegeben, absolut trokken sein. Mit Schmutz und Fett belegte Klebeflächen wirken wie eine Isolierschicht und unterbinden die Verkettung der Moleküle von Werkstoff und Kleber. Das Reinigen der Klebeflächen ist deshalb von großer Bedeutung:

•    Holzflächen werden mit Schleifpapier gesäubert. Dadurch wird die Oberfläche aufgerauht, was die Haftung deutlich verbessert. Altanstriche, Klebstoff- und Leimreste sowie Schleifstaub müssen rückstandslos entfernt werden. • Geschirr, Keramik und Kunststoffe mit Spülmittel waschen. Löst sich auf diese Weise der Schmutz nicht, ist Scheuerpulver eine gute Hilfe. Kleine Flächen lassen sich ganz hervorragend mit einer ausgedienten Zahnbürste bearbeiten.

•    Papier und Karton werden mit einem Radiergummi gesäubert. Oberflächlichen fettigen Schmutz kann man mit frischem Brot, zu Kügelchen gerollt, oder speziellen Radierern wie dem B 20 der Firma Rotring entfernen.

• Metalle lassen sich mit Spülmittel für die Klebung vorbereiten, die Oberfläche wird so gesäubert und entfettet. Eisen und Stahl müssen nach dieser Behandlung sofort abgetrocknet werden (Rostbildung!). Bereits auf den Flächen befindlicher Rost wird mechanisch mit Stahlwolle, Schleifpapier oder Drahtbürste entfernt.

Auf den Inhalt kommt’s an: Kleine Kleberkunde – Grundkenntnisse des Aufbaus und der Wirkungsweise von Klebstoff helfen einzuschätzen, welcher Klebstoff für welchen Zweck geeignet ist -bei einem Minimum an schädlichen Einwirkungen für Umwelt und Gesundheit.

•    Leime (Dispersionsklebstoffe) bestehen aus feinsten Kunstharzteilchen, die in Wasser aufgeschwemmt sind. Damit der Kleber aushärten kann, muß das Wasser in den Werkstoff auswandern können. Diese Kleber werden vornehmlich bei Holz, Papier, Pappe, Tapeten und Textilien eingesetzt und eignen sich für größere Flächen. Beispiele: die Holzleime Ponal und UHU Coll.

•    Kontaktkleber bestehen aus zähen Kautschuksorten, die in organischen Lösemitteln gelöst sind. Beide Werkstücke werden eingestrichen, und nach Entweichen des Wassers oder eines anderen Lösemittels muß kurzzeitig ein hoher An-preßdruck erzeugt werden. Schraubzwingen oder schwere Gegenstände sind hier hilfreich. Beispiele: Pattex compact und UHU greenit.

•    Zweikomponentenkleber sind lösemittelfrei und bestehen aus dem Binder (Kunstharz) und dem Härter. Nach dem Mischen kommt es innerhalb weniger Minuten zu einer ausreichenden Anfangsfestigkeit. Dieser Kleber erreicht bei fast allen Materialien und Kombinationen extrem hohe Festigkeit und füllt Spalte. Die Inhaltsstoffe können bei

Haut- oder Augenkon-m , takt Reizungen hervorrufen. Beispiele: Pattex Kraft-Mix, UHU plus endfest.

•    Sekundenkleber sind lösemittelfreie Kleber, die an der Luft in Sekundenschnelle ab-binden und nur bei sehr kleinen Klebeflächen sinnvoll einsetzbar sind. Aufgrund der schnellen und großen Klebekraft müssen Kontakte mit der Haut vermieden  und diese Kleber von Kindern unbedingt ferngehalten werden.

Bei der Verarbeitung werden Kleber dünn und gleichmäßig aufgetragen. Bei kleinen Klebungen dient die Düse der Klebertube als Werkzeug zum Aufträgen, bei größeren Flächen kommen Pinsel oder Zahnspachtel zum Einsatz. Die Haltbarkeit einer Klebung hängt auch davon ab, daß die zu verklebenden Teile während der Abbindezeit ihre Lage nicht verändern. Schwierige Werkstücke werden durch Fixierhilfen positioniert, das können für einen abgebrochenen Henkel ein Klebestreifen oder beim Verleimen von Holz Klemm- oder Schraubzwingen sein.

Reparieren, aber richtig! Wenn Stühle wackeln, liegt es meist an einer lockeren Verbindung. Sind die Stuhlbeine mit der Zarge durch Leimungen verbunden, sind diese brüchig geworden. Lassen sich die Leimverbindungen nicht von Hand lösen, muß mit dem Holzhammer und einem Holzklotz als Zwischenlage nachgeholfen werden. Wichtig für das Gelingen der Reparatur: Der alte Leim muß restlos entfernt werden, z. B. mit Schaber, Kratzer, Holzfeile und/ oder Schleifpapier. Anschließend steckt man die Verbindungen probehalber zusammen: Sind sie noch spielfrei, werden sie mit Holzleim wieder zusammengefügt. Sind große Toleranzen zu überbrücken, verwendet man einen Zweikomponentenkleber oder Spezialleim (z. B. UHU holzfest). Diese füllen die entstandenen Zwischenräume auf und sorgen für dauerhafte Verbindung. Garantiert.

Für anspruchsvolle Klebearbeiten z. B. mit Papier und Pappe sind Sprühkleber (links) eine gute Wahl. Montagekleber (Mitte) sind Konstruktionskleber mit Soforthaftung, die u. a. Dämm- und Deckenplatten auf bauüblichen Materialien befestigen. Sehr feste Verbindungen werden mit Schmelzklebern (rechts) erzielt.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.